Besuch von Herrn Verdammter Sonntag.

Kein Cartoon! Dies ist eine Kurzgeschichte nach einer fast wahren Begebenheit, die ich 2005 für meine damalige Motorradseite Speeding.de verfasst habe. Ich finde sie ganz passend zu meinem heutigen Reiter und zum Start der Motorradsaison 2008. Nachfolger meiner damaligen Site ist übrigens die rasante Website myspeeding.de, meiner guten Freundin Missy.D.

Alle zwei bis drei Jahre tritt ein Herr mit Namen Verdammter Sonntag in mein Leben. Er meldet sich nicht an und auch wenn ich vor die Tür gehe, gibt er sich nicht zu erkennen: „Hallo, mein Name ist Sonntag, Verdammter Sonntag. Ich bin hier um ihnen, wie mein Name schon sagt, den heutigen Tag so richtig zu verderben.“ Er ist ein richtig mieser Hund und lässt mich erst mal laufen und denken, hach wie ist die Welt nicht schön? Ich setze mich auf mein Motorrad und alles um mich herum ist eitler Sonnenstrahl und Wonneproppen. Kein Wölkchen am Himmel, die Temperatur angenehm und die Straßen noch frei. Ein kleines Warm Up auf der alten Rennstrecke und danach der übliche Cappuccino. Es könnte nicht besser sein.

Am Nebentisch genießt Herr Verdammter Sonntag sein Frühstücksei und lächelt still. Alle Anzeichen sind da. Es geht mir einfach zu gut. Soviel Perfekter Sonntag um mich herum sollte mir den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Aber wer ist frei davon, nicht noch tiefer ins Füllhorn des Glückes zu greifen? Jeder anständige Horrorfilm arbeitet nach dieser Methode und jedem Zuschauer ist klar: Du Idiot, dass musst du doch merken! La Li Lu, La Li Luu, La Li Luuu. Aaaargh, Splatter, Blutrief.

Noch ist es nicht so weit. Die Jungs und Mädels besprechen eine mögliche Tour. Herr Verdammter Sonntag tupft sich den Mund mit der Serviette ab. Ich rauche noch eine Zigarette und genieße den letzten Schluck meines Cappuccino. Herr Verdammter Sonntag streckt sich etwas und deutet an zahlen zu wollen. Ich stehe auf und glaube einem strahlenden Tag im Schwarzwald entgegen zu fahren. Herr Verdammter Sonntag gibt ein großzügiges Trinkgeld …

… und winkt mir und der Gruppe beim Wegfahren noch hinterher.

Keine Zwanzig Kilometer weiter liege ich auf der Fresse. Kein High-Speed-Proleten-Getue, kein Hanging Off am Limit, kein auch nur im Ansatz Böse-Buben-Gehen-Spielen-Gehabe.

Einfach nur Rollsplitt. In einem Moment liege ich noch sanft in der Kurve. In der nächsten kreiselt meine Kleine auf ihrem Sturzpad über den Asphalt und rutscht zielstrebig mit der Front in die Leitplanke. Herr Verdammter Sonntag steht weiter oben im Schatten, kaut auf einem Grashalm, lächelt und ruft über sein Handy ein Taxi. ER hat immer und überall ein Netz.

Ich stelle meine gebrochene Schönheit wieder auf die Räder und weiß jetzt schon, dass garantiert kein einziges von all den angeknacksten Teilen bei EBAY gerade für günstig angeboten wird. Alle fragen wie es mir geht und betonen was für ein Glück ich gehabt habe. Mein Lächeln ist eine aufgesetzte Maske: Oh ja, voll ins Füllhorn gegriffen.

Herr Verdammter Sonntag ist im eigentlichen Sinne kein schlechter Kerl. Er lässt mich immer davon kommen. Umgeben von all den guten Freunden die mir auf die Schulter klopfen: Sei froh, dass nicht mehr passiert ist. Jedes „Glück gehabt“ wird von mir mit einem zustimmenden Nicken beantwortet. Dabei möchte ich schreiend und brüllend meine nach Rache dürstende Wut der Welt entgegen werfen. Glück gehabt? Am Arsch! Schon mal den Schrott genauer angeschaut, der hier vor mir steht? Ich lächle und lächle und lächle. Ich leide und leide und leide, vor lauter Glück. Kein Blaulicht, keine großen Augen hinter grünen Masken, kein Licht am Ende des Tunnels. Nur reiner geistiger Schmerz auf hohem Niveau.

Ein schwarzer Mercedes kommt um die Kurve. Es ist sein Taxi. Der Fahrer hupt, grinst und zeigt mir den Mittelfinger. Herr Verdammter Sonntag steht über solchen Dingen. Ich erkenne kurz seine Silhouette im Gegenlicht der Sonne. Er ähnelt etwas Max von Sydow in „Needful Things*“. Er gibt mir ein Ciao mit zwei Fingern an der Stirn und steigt in das Taxi. Er hat heute noch mehr zu tun.

Wirklich, Herr Verdammter Sonntag versteht etwas von seinem Job.

*Needful Things – In einer kleinen Stadt (Horrorthriller, USA 1993, 121 Min.), Regisseur: Fraser Clarke Heston. Drehbuch: W. D. Richter. Nach einem Roman von Stephen King. Darsteller: Max von Sydow, Ed Harris, Bonnie Bedelia u. a.

2 Kommentare

Eingeordnet unter No Cartoon

2 Antworten zu “Besuch von Herrn Verdammter Sonntag.

  1. René

    Needful Things – Der Roman war klasse, der Film weniger.

    Deine Kurzgeschichte … nun, geht so. Sind ein paar Fehler drin. Zumindest habe ich sie zu bis zum Schluss gelesen, das heißt schon was.

    Weiter so, Steven!

  2. René

    Streiche das „zu“ bitte … ich gehe mich nun erschießen.

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